Rechner Blog Info Kontakt
← Zurück zum Blog

Veröffentlicht am 21. März 2026 • 10 Min. Lesezeit

Radfahren mit 1,6 Promille: Die MPU-Falle

„Ich fahre nur mit dem Fahrrad" – dieser Satz klingt harmlos, kann aber zum teuersten Fehler eines Abends werden. Wer betrunken Fahrrad fährt und dabei erwischt wird, riskiert nicht nur eine Geldstrafe. Bei 1,6 Promille oder mehr droht eine Straftat, ein Eintrag im Fahreignungsregister – und die MPU. Das Besondere: Die MPU kann auch den Autoführerschein in Gefahr bringen, den man gar nicht im Portemonnaie hatte, als man auf dem Fahrrad saß.

Wie viel Promille haben Sie nach dem Abend? Berechnen Sie es jetzt:

Promillewert berechnen →

Die Promillegrenzen beim Fahrradfahren

Das Fahrrad ist rechtlich kein Kraftfahrzeug – aber es ist ein Fahrzeug im Sinne des Straßenverkehrsrechts. Das bedeutet: Die allgemeinen Regeln der Straßenverkehrsordnung und des Strafgesetzbuches gelten auch für Radfahrer. Allerdings gibt es beim Fahrrad eine andere Grenzstruktur als beim Auto:

Das heißt konkret: Wer mit 0,9 Promille sicher und unauffällig Fahrrad fährt, begeht formal keine Straftat. Wer mit 0,6 Promille schlingert und einen Fahrfehler macht, kann bereits nach § 316 StGB bestraft werden. Ab 1,6 Promille ist es automatisch eine Straftat – unabhängig vom Fahrverhalten.

Warum liegt die Grenze beim Fahrrad höher als beim Auto?

Die 1,6-Promille-Grenze für Radfahrer ist historisch gewachsen und wird wissenschaftlich damit begründet, dass die Gefährdung anderer beim Fahrrad geringer ist als beim Kraftfahrzeug. Dennoch ist betrunkenes Radfahren gefährlich – vor allem für den Radfahrer selbst. Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) waren 2023 in Deutschland rund 1.800 Fahrradunfälle auf Alkohol zurückzuführen, bei denen Radfahrer schwer verletzt oder getötet wurden.

Was ist die MPU – und warum trifft sie Radfahrer?

Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) dient der Überprüfung der Fahreignung. Sie wird von der Fahrerlaubnisbehörde angeordnet – und zwar nicht nur im Zusammenhang mit dem Autofahren. Die MPU kann auch dann angeordnet werden, wenn jemand im Straßenverkehr auffällig geworden ist, der kein Auto gefahren ist.

Genau hier liegt die Falle: Wer mit 1,6 Promille auf dem Fahrrad erwischt wird, gilt als im Straßenverkehr auffällig. Die Fahrerlaubnisbehörde kann daraufhin Zweifel an der allgemeinen Fahreignung anmelden – also auch an der Eignung zum Autofahren. Das Ergebnis: Eine MPU-Anordnung, die den Autoführerschein betrifft.

„Viele Menschen sind fassungslos, wenn sie erfahren, dass ihnen der Autoführerschein wegen einer Trunkenheitsfahrt mit dem Fahrrad entzogen werden kann. Das Gesetz macht da keinen Unterschied." – ADAC Rechtsservice, Ratgeber Verkehrsrecht 2024

Der Mechanismus: Wie das Fahrradvergehen zum Autoführerscheinproblem wird

Die Grundlage bildet § 3 Fahrerlaubnisverordnung (FeV): Die Fahrerlaubnisbehörde kann die Beibringung eines MPU-Gutachtens verlangen, wenn „Tatsachen bekannt werden, die Bedenken an der Eignung des Fahrerlaubnisinhabers begründen." Eine Verurteilung wegen Trunkenheit im Verkehr (§ 316 StGB) – auch auf dem Fahrrad – gilt als solche Tatsache.

In der Praxis läuft es so ab:

Nicht sicher, ob Sie noch fahren sollten? Berechnen Sie Ihren Promillewert:

Jetzt berechnen →

Kosten und Aufwand der MPU

Die MPU ist eine der kostspieligsten Konsequenzen im deutschen Verkehrsrecht – und das gilt unabhängig davon, ob man mit dem Auto oder dem Fahrrad erwischt wurde.

Dazu kommt: Die MPU-Durchfallquote liegt laut DEKRA und TÜV bei rund 30 % beim ersten Versuch – bei Personen ohne Vorbereitung deutlich höher. Wer durchfällt, muss warten, erneut vorbereiten und erneut zahlen. In der Zwischenzeit hat man keinen Führerschein.

Mehr zu den rechtlichen Konsequenzen beim Führerscheinentzug ab 1,1 Promille beim Auto: Führerscheinentzug ab 1,1 Promille: Was passiert jetzt?

Statistiken: Wie häufig werden betrunkene Radfahrer erwischt?

Das Dunkelfeld ist groß – viele betrunkene Radfahrten enden ohne Polizeikontrolle. Aber die erfassten Zahlen sind eindeutig:

Die häufigsten Situationen: Heimfahrt nach Feiern, Radfahren nach Stadtfesten, sommerliche Grillabende. Das Muster ist immer dasselbe: Man hält sich für sicher genug. Man ist es aber nicht.

„Das Fahrrad ist kein Freifahrtschein. Wer mit 2 Promille heimfährt und dabei erwischt wird, steht möglicherweise vor demselben bürokratischen Albtraum wie nach einer Trunkenheitsfahrt mit dem Auto." – bussgeldkatalog.de, Fachartikel Radfahren und Alkohol, 2024

Was tun, wenn man erwischt wurde?

Wenn Sie von der Polizei als Radfahrer angehalten wurden und unter Alkoholeinfluss stehen, gilt folgendes:

Eine Übersicht aller Bußgelder und Konsequenzen bei Alkohol im Straßenverkehr: Bußgeldkatalog 2026: Alkohol am Steuer. Die Abbauzeit für Alkohol und wann man wieder fahren kann: Promillerechner 2026: Abbauzeiten.

Weitere Informationen zu den rechtlichen Grundlagen beim ADAC Rechtsservice sowie beim Bußgeldkatalog.de.

Den nächsten Abend sicher planen – berechnen Sie Ihren Promillewert im Voraus:

Promillewert berechnen →

Häufige Fragen

Ab wie viel Promille ist Radfahren in Deutschland strafbar?

Ab 0,3 Promille kann Radfahren strafbar sein, wenn Ausfallerscheinungen oder Fahrfehler hinzukommen (relative Fahruntüchtigkeit, § 316 StGB). Ab 1,6 Promille ist es automatisch eine Straftat – ohne weiteren Nachweis von Fahrfehlern (absolute Fahruntüchtigkeit).

Kann ich meinen Autoführerschein verlieren, wenn ich betrunken Fahrrad fahre?

Ja. Eine Verurteilung wegen Trunkenheit im Verkehr auf dem Fahrrad wird im Fahreignungsregister eingetragen. Die Fahrerlaubnisbehörde kann daraufhin eine MPU anordnen. Wer diese nicht besteht oder verweigert, verliert den Autoführerschein – auch wenn man ihn beim Radfahren gar nicht dabei hatte.

Wie viel kostet die MPU nach Trunkenheit auf dem Fahrrad?

Die MPU selbst kostet zwischen 400 und 800 €. Hinzu kommen Vorbereitungskurse (200–600 €) und eventuelle Folgeuntersuchungen. Insgesamt sind Gesamtkosten von 800 bis über 1.500 € realistisch – zuzüglich Anwaltskosten.

Wird betrunkenes Radfahren im Führungszeugnis eingetragen?

Eine Verurteilung nach § 316 StGB ist eine Straftat und wird im Bundeszentralregister eingetragen. Das Führungszeugnis enthält den Eintrag, sofern die Strafe die Eintragsvoraussetzungen erfüllt (z. B. Geldstrafe über 90 Tagessätze). Bei niedrigen Geldstrafen kann der Eintrag ausbleiben – das FAER wird aber in jedem Fall informiert.

Gibt es eine Promillegrenze für E-Scooter?

Ja. E-Scooter (Elektrokleinstfahrzeuge) gelten als Kraftfahrzeuge. Für sie gilt dieselbe Promillegrenze wie für Autos: 0,5 Promille (Ordnungswidrigkeit), 1,1 Promille (absolute Fahruntüchtigkeit, Straftat). Das Fahrrad hat damit eine deutlich höhere Toleranzgrenze als E-Scooter.

Wann ist die MPU nach Trunkenheit auf dem Fahrrad Pflicht?

Die MPU ist nicht automatisch Pflicht – sie wird von der Fahrerlaubnisbehörde angeordnet, wenn Zweifel an der Fahreignung bestehen. Bei einem erstmaligen Vergehen mit genau 1,6 Promille auf dem Fahrrad ist eine MPU-Anordnung wahrscheinlich, aber nicht garantiert. Bei höheren Werten oder Wiederholung ist sie fast sicher. Betroffene sollten sich juristisch beraten lassen.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine Rechtsberatung. Alle Angaben basieren auf dem deutschen Straßenverkehrsgesetz (StVG) und dem Bußgeldkatalog Stand 2026. Fahren Sie niemals unter dem Einfluss von Alkohol.